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Führung als nachhaltige Grundlage erfolgreicher Veränderung

Wie kaum ein anderes «Handwerk» hat sich Führung in den letzten Jahren gewandelt. Die Rahmenbedingungen und Herausforderungen, denen Führung sich heute stellen darf, sind komplexer denn je. Die Herausforderung liegt nun darin, dass Führung eine gute Grundlage für erfolgreiche von Veränderung(en) schafft.

Beitrag von Abdullah Redzepi und Christian A. Herbst in personalSCHWEIZ

 

Warum sich Führung verändert

Die Zusammenhänge heute in der Gänze zu durchschauen, zu verstehen und zielführend zu interpretieren, grenzt nicht selten an einen schier unmöglichen Akt im Führungsalltag. Kaum ist VUCA halbwegs angekommen (obwohl seit den 90iger Jahren davon die Rede ist) schon soll es durch BANI abgelöst werden. BANI, ein Akronym, das unsere noch komplexere Gegenwart umschreibt. Ja, die Welt – und auch die Arbeitswelt – wird zusehends brüchiger, ängstlicher, nicht-linearer und teils unbegreiflicher – also brittle, anxious, non-linear, incomprehensible – kurz BANI.

Wir reden über eine Gegenwart, in der von Führungskräften gefordert wird noch flexibler, anpassungsfähiger, lernbereiter und interdisziplinärer zu denken und zu handeln. Es gilt, sich selbst, Teams und das Unternehmen auf noch komplexere und unsichere Umgebungen einzustellen, sowie effektiv und zielführend in Richtung nachhaltigem Erfolg zu führen.

Unternehmen brauchen heute Führungskräfte, die bereit sind, Veränderungen schnell zu antizipieren, sich den unvorhersehbaren Herausforderungen und Chancen zu stellen und in diesem Umfeld Entscheidungen zu fällen. Altbewährte Führungsansätze und -instrumente, allen voran «predict and control», funktionieren nicht mehr. Führung braucht eine veränderte Führungshaltung und verändertes Führungsverhalten, um in einer Welt, in der man mehr und mehr «auf Sicht» fahren muss, immer noch steuern zu können.

Gute Führung nimmt sich Zeit, genau hinzuschauen

Unsere Gesellschaft ist geprägt von Aktivismus: Es muss immer „etwas gehen“. Insbesondere Führungskräfte sind darin geschult, viele Dinge gleichzeitig voranzutreiben und zu bewegen, denn schliesslich gilt: Zeit ist Geld. Das ist ja nicht falsch und wir alle verstehen, dass Effizienz und Gewinnorientierung in Unternehmen notwendig sind. Doch generell in turbulenten Zeiten und gerade jetzt, ist es höchstwahrscheinlich falsch, einfach nur irgendwie «weiterzumachen». Eine alte Weisheit besagt: «Wer es eilig hat, soll langsam gehen».

Für diejenigen, die Verantwortung tragen, ist in hektischen und komplexen Zeiten, die Versuchung gross, auf jeden «Zug» aufspringen um zu zeigen, dass sie etwas tun. Doch stattdessen ist es jetzt wichtig, genau hinzuschauen, vor- und nachzudenken, um herauszufinden, was gerade passiert und was es braucht. Sorgfältig abwägen, welche Weichen neu gestellt werden müssen und welche nicht – das ist es, was Führung im Blick und im Griff haben sollte. Pausieren und eine Auszeit nehmen scheint Vielen nicht effizient und man scheut die Kosten. Mittel- und langfristig ist aber genau das, was effektiv ist und Kosten reduziert. 

Beim genauen Hinschauen ist es wichtig, sich auf das zu konzentrieren, was bereits gut funktioniert und beibehalten werden kann. Gerade wenn man Veränderungsprozesse aufgleist, ist es hilfreich, explizit das zu benennen, was gut ist und nicht verändert wird. So begegnet man den Ängsten, dass jetzt «alles» anders sein wird und «nichts», was bisher gemacht wurde richtig und gut war. Wertzuschätzen was eine Organisation dahin gebracht hat wo sie jetzt ist ein wichtiger Bestandteil von erfolgreichen Veränderungsbestrebungen. Es ist wichtig, das zu bewahren, was ein Unternehmen erfolgreich macht und einen Wettbewerbsvorteil bietet. Das sollte nicht ohne guten Grund geändert oder gar aufgegeben werden, sonst führen die Veränderungen zu einer Seitwärtsbewegung und nicht zu nachhaltigem Wachstum und Weiterentwicklung.

Führung beginnt mit Selbstführung

Gute Führung beginnt immer mit dem Blick nach innen. Menschen, die andere führen, brauchen ein tiefes Verständnis der eigenen, inneren Prozesse. Eine Führungskraft muss erstmal für sich selbst die «grossen Fragen» beantworten können:

     

      • Wer bin ich?

      • Warum bin ich auf dieser Welt und ganz spezifisch in diesem Unternehmen und in dieser Rolle?

      • Was ist mir wichtig?

      • Was ist mein innerer Kompass?

      • Was motiviert mich?

      • Wo will ich hin?

      • Wie reagiere ich, wenn ich unter Druck gerate?

      • Wie tanke ich auf?

    Wenn Führungskräfte diese – und ähnliche – Fragen beantworten können, sind sie eine verlässiche Stütze, wenn um sie herum vieles ins Wanken gerät. Wer sich selbst als Persönlichkeit kennt und weiss, wie man in bestimmten Situationen reagiert und agiert, kann sich selbst, andere und ganze Organisationen wirkungsvoll und erfolgsversprechend in die Zukunft führen.

    Faktoren erfolgreicher Veränderung

    Wir alle dürfen uns darauf einstellen, dass permanente und immer schnellere Veränderung der Normalzustand ist. Eine Führungskraft ist aufgefordert, in unsicherem Terrain erfolgreich zu navigieren und nachhaltiges Wachstum für das Unternehmen zu gewährleisten. Hierzu gibt es Faktoren, auf die sich eine Person mit Personalverantwortung konzentrieren kann, um so das Unternehmen optimal für dieses neue «Normal» aufzustellen.   

    Wie oben beschrieben: auf komplexe Fragestellungen kann man schon einfache Antworten geben – diese sind nur praktisch immer falsch. Sich die Zeit zu nehmen, um in Ruhe passgenaue Ansätze zu wählen, ist eminent wichtig. Die hohe Kunst der Führung liegt darin, komplexe Antworten auch so zu kommunizieren und zu implementieren, dass diese verständlich und umsetzbar sind.

    Ein weiterer Faktor zum erfolgreichen Steuern in Veränderung besteht darin, Führungskräfte und Mitarbeitende zu mehr Selbstverantwortung zu ermutigen. Das Stichwort ist: «empowering». Jeder und jede einzelne darf lernen, grösstmögliche Verantwortung zu übernehmen. Weite Wege und lange dauernde Entscheidungsprozesse sind nicht mehr funktional in einer agilen Welt. Dort, wo das Know-how, die Erfahrung und die notwendigen Informationen sind, sollen die Entscheide getroffen werden. Diese Mitarbeitenden werden umsichtig sicherstellen, dass die notwendigen Stellen mit einbezogen sind. Führungskräften kommt verstärkt eine unterstützende und verbindende Rolle zu.

    Eine zeitgemässe Unternehmenskultur etablieren

    Ein zeitgemässes Führungs-Konzept ist Positive Leadership. Es beschreibt, wie eine stärkenorientierte Unternehmenskultur gelebt wird. Es wurden konkret fünf Faktoren evidenzbasiert identifiziert und wissenschaftlich nachgewiesen, welche dazu dienen, Führungskräfte und Mitarbeitende gerade in äusserlich unsicheren Konstellationen aussergewöhnliche Ergebnisse erzielen zu lassen. Die fünf Faktoren sind im Akronym PERMA zusammengefasst: Durch das Fördern von positiven Emotionen, individuellem Engagement, tragfähigen Beziehungen, dem Vermitteln von Sinn in der Arbeit und dem Sichtbar machen von Erfolgen können Führungskräfte gezielt und nachhaltig Wirkung entfalten. Es lohnt sich, dieses Führungsmodell genauer kennenzulernen und zu prüfen, wie es in der eigenen, aktuellen Situation Anwendung finden kann.

    In Zeiten grosser Herausforderungen wie VUCA und BANI ist ein Umdenken, eine Stärkung und – in den meisten Fällen – eine Anpassung der Unternehmens- und Führungskultur unerlässlich. Es ist wichtiger denn je, das Gute auf- und auszubauen und eine nachhaltige, positive Veränderungskultur zu fördern. Es braucht nicht weniger, sondern mehr Führung. Eine Führung, die nah an Mitarbeitende ist, sich kontinuierlich mit Veränderungen auseinandersetzt, Veränderungen positiv gegenübersteht und sie willkommen heisst.

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